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Polar-Wassersportler – Míra Štěpán

Wenn wir die Tatsache nicht beachten, dass Míra Štěpán die Informationstechnologie an der FEL ČVUT in Prag studierte, dass er postgradual Biomechanik an der FTV SUK studierte und dass er im Schulwesen arbeitet, ist er ein vollkommener Darsteller von Outdoor-Enthusiasten. Das heißt von Menschen, die für eigene Mittel reisen und vor allem, die für sich selbst reisen. Míra überwindet keine Höhenrekorde, keine Geschwindigkeitsrekorde und keine Schwierigkeitsgrade. Ihm können die Gipfel und Pole gestohlen bleiben. Trotzdem gerade das Gebiet unweit vom Nordpol hat sein Schicksal beeinflusst: in den vergangenen zehn Jahren machte er sich auf den Weg insgesamt viermal, in den Jahren 2000, 2002, 2004 und 2008, er hat sich auf die norwegische Inselgruppe Spitsbergen begeben. Er wandert zu Fuß, er fährt die arktischen Flüsse auf den aufblasbaren Kanus sowie die Fjords zwischen den Gletschern hinab. So sieht er die Spitsbergen jedes Mal von einem anderen Winkel aus und ich wage es zu sagen, dass Míra Štěpán heute – mit seinen vierunddreißig Jahren – einer der größten Kenner dieser Inselgruppe ist. Über seine Reisen auf die Spitsbergen und über die Erfahrungen informieren seine (ich zitiere) „WEB-Seiten Svalbard.cz, die ewig und wohl für immer fortzuführen sind“.  

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Míra, was hat dich dazu geführt, in die Arktis ein aufblasbares Kanu mitzunehmen?

Ich war auf den Spitsbergen im Sommer, also im Zeitraum des Polartags, wenn dieses Gebiet am mildesten ist. Das Sommerreisen durch die Tundra hat aber auch seine Nachteile, insbesondere das Überwinden von kleinen und großen Wasserläufen. Probleme, mit denen wir die eiskalten Flüsse überschritten, haben mich im Jahre 2002 auf die Idee gebracht, nach Svalbard (norwegische Bezeichnung für die Spitsbergen – Bemerk. Red.) eine Wasserexpedition zu unternehmen. Und zwei Jahre später sind wir schon auf dem aufblasbaren Kanu Palava den Fluss Reindalselva  hinabgefahren. Eigentlich wissen wir nichts darüber, dass das jemand vor uns versuchen würde.  

Wie bist du eigentlich zu Wasser, Paddeln und dann auf die Spitsbergen gekommen?

Zuerst war ich auf den Spitsbergen und erst dann kaufte ich Palava wegen der Expedition. Im Rahmen vom Training habe ich angefangen, Ausflüge zu unternehmen, beginnend von tschechischen Flüssen und Bächen bis zu den Masurischen Seen und Ostsee. Nach der erfolgreichen Expedition auf Svalbard blieb das Boot auch mein Hobby. Dies ist dann bis auf regelmäßige Teilnahmen an verschiedenen Wassermarathons hinausgewachsen. Deswegen habe ich mir selbstverständlich ein anderes Boot besorgt und bis jetzt haben wir immer einen guten Platz besetzt. Mit der Vorbereitung auf die Reisen in anspruchsvolle Naturbedingungen hängen die Dauerexperimente sehr eng zusammen. Wir haben sowohl Nonstop-Übergang der Niedrigen Tatra als auch Vier-Tagetour auf der Moldau von Vyšší Brod nach Prag unternommen.  

Niedrige Tatra, Wassermarathon… bist du also mehr ein Bergsteiger oder ein Wassersportler?

Ich mag Wasser und Berge. Ich lasse jedoch Situationen in extremen Höhen aus. Ich bin kein Kletterer und möchte es auch nicht werden. Ich orientiere mich lieber auf die Übergänge von Berggipfeln, ich habe Trekking-Touren in den amerikanischen Parks Glacier und Grand Teton, in den Julischen Alpen, auf Fagaras unternommen und sehr interessant war das Weiße Gebirge im Südwesten Kretas.  

Was hältst du selbst für dein interessantestes oder wichtigstes Sport- oder Reiseerlebnis aus der letzten Zeit?

 Eindeutig die vierte – bisher die letzte – Expedition auf Svalbard im Sommer 2008. Auf zwei Palava-Booten sind wir bis zur verlassenen Stadt Pyramiden gekommen. Diese Aktion schätze ich nicht nur dafür, wie reich sie an Erlebnissen war, sondern auch deshalb, weil sie fast genau gemäß Plan gelaufen ist. Svalbard schonte uns dabei unterwegs gar nicht, sodass der Plan wohl gut war.  

Hast du ein konkretes Erlebnis, das dir im Gedächtnis haftengeblieben ist?

Eine ganze Menge! Mein Gedächtnis ist immer noch gut … Ich glaube, zu den stärksten gehört das Treffen mit Eisbären, so ein Erlebnis verliert niemals sein Zauber. Aber auf der ersten Stelle würde ich wohl die Sonnenfinsternis um Mittag am 1. August 2008 nennen. Wir sind bei einem unarktisch günstigen Wetter auf kräftig blauen Wellen von Billefjord gepaddelt. Um ums herum nur eine öde Landschaft, das Meer und unsere zwei kleinen bedeutungslosen Boote, einfach Svalbard. Und die Sonne, die gerade eindeutig herrschte, führte ihren Trick mit dem Verstecken hinter den Mond vor. Es ist soweit über jegliche Normalitäten hinausgegangen, dass mir heute noch Worte fehlen.  

Was zieht dich bei den Aktionen unter extremen Bedingungen am meisten an, sei es Wettbewerb, Marathon. Nonstop-Übergänge oder Polargebiete?

Wenn ich das wüsste…. Ob das ein Wettbewerb, ein Experiment mit Ausdauer oder ein Ausflug in die Wildnatur ist, immer ist das eigentlich eine Mischung von Schmerz, Müdigkeit, Hunger und Unbequemlichkeit. Jedes Mal sage ich mir, dass ich so eine Dummheit nie wieder mache. Aber doch…. Letztendlich reinigt die Anstrengung Sinne und die Erlebnisse, die sie bringt, sind dann unmittelbarer. Ein wirkliches, rohes Leben…  

Und warum hat dich gerade die Arktis angesprochen?

Ich mag es nicht, wenn es mir heiß wird. Außerdem lebe ich mein ganzes Leben lang in einer Stadt und arbeite mit Menschen zusammen. Deshalb sind ideal für mich verlassene und kalte Gegenden,  wo ich mich irgendwohin bewegen kann, möglichst mit eigener Kraft.  

Hattest du Mal ein Problem mit der Einhaltung von Sicherheitsregeln oder umgekehrt mit deren Verletzung?

Die grundlegende Sicherheitsregel auf den Spitsbergen ist die Sicherung vom Lager vor dem Eisbären, der zu jeder Zeit erscheinen kann. Normalerweise wird das mittels Abgrenzungspfeiler mit Leuchtraketen gelöst. Ich habe das nie verwendet, auf den vorhergehenden Expeditionen habe ich einfach hasardiert, aber letztes Mal sind wir in einer größeren Anzahl mitgefahren, sodass wir Nachtwachen halten konnten. Dies hatte einen unerwarteten Nebeneffekt. Jeder von uns hat dank den Nachtwachen zwei und halb Stunden für die Erholung von den anderen Teilnehmern gewonnen. Es hat geholfen, die unvermeidliche soziale Spannung zu lockern. Leider hat auch jeder private Ausflüge in die Umgebung unternommen, ohne Rücksicht auf die Entfernung zu nehmen, aus der er bei Bedarf ins Lager früher gelangen könnte als der beobachtete Bär. Wir haben viele schönen Fotos vom Lager, die von der Weite aus gemacht worden sind und wir sind sehr froh, dass sich die Bären erst gezeigt haben, als wir in einer Hütte gewohnt haben. Belehrung ist, dass man solche Regeln am Anfang der Expedition klar machen und abstimmen muss. Wenn später bestimmte Lagerkoller-Effekte bemerkbar werden, wird die Festlegung von Regeln zum „barfuss Schlangenreizen“.  

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Kannst du dich an eine Situation erinnern, die mit der Ausstattung zusammenhängt, wenn dich die Klima- oder Naturbedingungen überrascht hatten? Oder ist etwas gebrochen, kaputt gegangen oder hat nicht funktioniert!

Bei der ersten Wasserexpedition auf Svalbard hat uns der Regen überrascht.  Dort regnet es öfters, aber nicht so viel. Dies war im Westen in Bellsund, wo sich die Wolken vom Meer sammeln und es regnete wirklich in Strömen. Zufälligerweise haben wir das Boot gerade verpackt gehabt, deshalb haben wir bei dem Wetter den Fehler gemacht, dass wir uns entschieden haben, das Boot nicht auszupacken und zu Fuß auf dem Ufer zu gehen. Sofort sind wir in ein unheimlich schlimmes Terrain gekommen und dazu hat sich der Regen entschieden, uns zu zeigen, dass er sich bisher nur im Regen geübt hat. Meine Partnerin hatte eine vom Bruder geliehene Jacke angehabt, angeblich regendicht. Die Jacke war bis auf die Haut durch und das Mädchen war durchgefroren. Seit der Zeit schreibe ich auf dem Verzeichnis von Sachen zur Jacke regendicht mit Ausrufezeichen und es kommt mir viel zu wenig vor. Damals hat uns eine Hütte gerettet, in der ein Bär ein Fenster kaputt machte, sodass ich keine Gewalt mehr einsetzten musste. Bis wir aber dazu gekommen sind, waren es höllische fünf Kilometer.  

Was bewertest du als deinen größten Fortschritt in der Ausstattung in der letzten Zeit?

Das ist keine gute Frage für mich. Es ist nicht so weit her, als ich die Moira Unterhose entdeckte und seitdem habe ich technologisch keinen Fortschritt gemacht. Es ist wahr, dass ich keine wirklichen Extreme aufsuche, sodass mir das noch reicht.  

Was von deiner Outdoor-Ausstattung hat sich bewährt?

Was sich tatsächlich bewährt hat, stammt aus dem Fleischerbedarfgeschäft – Presswurstbeutel. Ein beständiger Qualitätsbeutel, der einfach wasserdicht geschlossen werden kann. Ich stopfe alles hinein, vor allem die Vorräte aber auch Kleidung. Es entstehen elegante, einfach verstaubare Päckchen. Dann habe ich im Rucksack Presswurst mit Reis, Presswurst mit Müsli, Presswurst mit Socken…  

Und was hat sich nicht bewährt?

Seinerzeit kaufte ich Asolo Trek-Sandalen  (die Marke erwähne und betone ich absichtlich). Ich bin damit ins Wasser gerutscht und musste dann noch ein Stück gehen, infolge dessen haben die Sandalen angefangen zu zerfallen. Die Reklamation wurde wegen unsachgemäßer Nutzung des Produktes und einer zu späten Reklamation nicht anerkannt (wahrscheinlich sollte ich sie gleich an dem Bach reklamieren).  

Vor welchem Fehler würdest du andere warnen?

Wenn etwas im letzten zivilisierten Ort vor dem Expeditionsstart zugekauft werden muss, machen Sie sich ein Verzeichnis und haken Sie jede Position ab. Auch wenn es so wenig sein sollte, dass "ich mir doch merken kann, ich bin doch nicht dumm?" Nach der Anreise auf Svalbard sind wir nach Longyearbyen einkaufen gegangen. Als wir am nächsten Tag die Boote zum Ausfahren vorbereitet haben, haben wir mit Schrecken festgestellt, dass wir vergessen haben, Gas zum Kocher zu kaufen und dass Sonntag ist, die Geschäfte sind also geschlossen. Die Situation hat sich nur durch einen glücklichen Zufall gelöst.  

Spitsbergen, wohin deine meisten Reisen richten, sind ein relativ spezifisches Gebiet. Wird auch eine spezifische Ausstattung gefordert?

Unumgänglicher Bestandteil der Ausstattung für die Reisen auf Svalbard sind Schusswaffen, zur Abwehr gegen die Eisbären. Und mit der Kugelbüchse gibt es ständig Probleme, sei es Organisations- oder Administrativprobleme oder rein technische.  Sie verlangt, dass weitere Ausstattungsteile mitgenommen werden müssen. Die Firma HG Sport merkt sich bestimmt bis heute, dass sie mir für die Büchse eine wasserdichte Hülle gefertigt haben. Die Hülle ist zwar wasserdicht, aber das Wasser kondensiert innen und das Austrocknen ist in den Polarbedingungen sehr schwierig. Eine Idee, wie man das lösen könnte, habe ich erst nach der letzten Expedition bekommen, sodass sie noch nicht ausprobiert ist.  

Hast du einen Traum, den du dir erfüllen möchtest?

Antarktis  

Und deine konkreten Pläne für die Zukunft?

Ich bin dem Meer und Segeln verfallen. Ich bereite mich vor, eine Fahrt um Skandinavien herum zu fahren. Weiter bereite ich eine größere Aktion  diesmal zur Abwechslung im Süden vor, aber die Details möchte ich noch nicht erwähnen. Erstens bin ich erst am Anfang der Forschung technischer Möglichkeiten. Und zweitens bin ich mir immer noch nicht sicher, ob diese Idee nicht eine viel zu große Frechheit ist ...  

Dieser Artikel erschien im Jahrbuch Ein kleiner Begleiter durch die Outdoor-Welt 2010 auf den WEB-Seiten svetoutdooru.cz.